Überwinterer/Kurzstreckenzieher und Frühlingsgefühle im Winter

So, wie in der Überschrift zu lesen ist, könnte man unsere Störche aktuell durchaus als Kurzstreckenzieher bezeichnen. Flogen sie früher noch nach Afrika, später nur noch bis Spanien um zu überwintern, so beobachten wir seit einigen Jahren, dass sie mehr und mehr hier ganz überwintern oder nur noch wenige Kilometer weiter südlich ziehen, und zwar nach Büttelborn, Kreis Groß-Gerau, das sich zu einem wahren Winter-Eldorado für die Rotschnäbel entwickelte, nicht zuletzt durch eine sich dort befindliche Mülldeponie.
Ende September 2019 verließen die Schönecker Störche ihre Brutstätten und bereits Anfang Dezember konnten wir den ersten auf dem Kilianstädter Horst wieder antreffen. Der Storch war rechts beringt und wir dachten zunächst, es wäre unser Männchen, aber man soll nie denken, sondern immer den Ring ablesen, um sicher zu sein. Es war nicht unser Männchen, sondern ein Weibchen, das wir im Februar 2017 in Büdesheim (Bornwiesen) beobachten konnten, wie es dort mit dem Männchen auf dem Windecker Horst kopulierte wie auch mit dem Männchen vom Funkmast. Eine Verbindung mit den beiden Herren einzugehen, klappte seinerzeit nicht, somit dachte wohl die Gute, sie versuche es vielleicht mal mit dem feschen Kilianstädter Burschen. Sie hielt sich einige Zeit auf und um den Kilianstädter Horst auf.
Aber das Kilianstädter Männchen traf auch recht bald ein und wir beobachteten es bei der Nahrungsaufnahme vor dem Büdesheimer Schloss am 19.12.19. Gleichzeitig traf in den Bornwiesen das angestammte Paar vom Auenmast ein, einen Storch entdeckten wir auch auf dem Funkmast und im östlichen NSG Bornwiesen war ebenfalls ein Storchenpaar zugegen.
Am 27.12.19 konnten wir das Kilianstädter Männchen zusammen mit einem unberingten Storch Seite an Seite auf Futtersuche beobachten. Vermutlich ist es das neue Weibchen des Vorjahres.
Anfang Januar 2020 wurden einige der oben hier gesichteten Störche dann wieder in Büttelborn registriert und so ging es stets weiter. Mal waren sie hier, mal wieder in Büttelborn.
Am 21.01.20 wurden wir morgens Zeugen eines ganz besonderen Schauspiels. Unser Kilianstädter Paar zeigte bei kalten Temperturen, aber herrlichem Sonnenschein Frühlingsgefühle. Wie schon im letzten Jahr saß das unberingte Weibchen zunächst auf dem abgestorbenen Baum rechts vom Storchenhorst, flog alsbald hinunter auf die Wiese und kam zurück mit Baumaterial im Schnabel. Gemeinsam wurde dieses verbaut, dann tänzelte unser Männchen um die liebe Gattin herum, was ein Zeichen dafür ist, dass er das tun wollte, weshalb Störche zu ihrem Brutplatz zurückkehren, für Nachwuchs sorgen. Allerdings ist es dafür noch viel zu früh, aber probieren kann man ja schon mal.
Zeitgleich wurde an diesem Vormittag der neue Storchenhorst in Büdesheim errichtet. Wir berichteten im post darunter über diese Aktion.
Unser Kilianstädter Männchen wurde am 23.01.20 wieder in Büttelborn gesehen, seit dem 26.01.20 ist es wieder hier.
Aufgrund der Schilderungen sieht man, wie die meisten noch ständig hin und her pendeln. Alles scheint wohl auch eine Frage des Wetters/der Temperaturen zu sein. Wir werden unsere Rotschnäbel in den Augen behalten.

28.12.20

 

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