Schönecker Störche sind ins Land gezogen

Am 18.01.19 entdeckten wir die ersten Störche in den Bornwiesen in Büdesheim. Es war ein Paar, das gemeinsam auf Futtersuche war. Vermutlich war es das Paar vom dortigen Auenmast. Da an den Folgetagen Väterchen Frost im Land regierte, zogen sich die beiden noch einmal zurück und tauchten dann wieder zeitgleich mit dem Kilianstädter Storchenmännchen und dem Männchen vom Funkmast an der Bahnlinie auf.
Das Kilianstädter Männchen war die nächsten Tage stets alleine auf den Wiesen rund um den Horst unterwegs und wartete schon sehnsüchtig auf seine langjährige Partner, die sich jedoch nicht blicken ließ. Allerdings wurde unser Storch öfter von einem unberingten Storch attackiert, aber stets gelang es ihm, den Eindringlich abzuwehren. Wir gingen davon aus, dass es sich bei dem Fremden um ein Storchenmännchen handeln würde. Flog der Fremdstorch zu dem 2. Storchenhorst, um sich dort nieder zu lassen, flog unser Storch ihm hinterher und vertrieb ihn auch von dort. Das zeigt, dass auch weiterhin kein anderer Storch auf dem zweiten Horst geduldet wird.

Am 22.02.19 erhielten wir dann die Nachricht, dass morgens ein 2. Storch bei bei unserem Storchenmännchen im Nest stehen und beide laut klappern würden. Sofort dachten wir, unser Storchenweibchen wäre angekommen. Als wir die Sache überprüften, waren zwei Störche Seite an Seite in der Nähe der Erdbeerfelder auf Futtersuche. Es handelte sich um unser Storchenmännchen, aber nicht um seine langjährige Partnerin, die wie er, ebenfalls rechts beringt ist, sondern um einen unberingten Storch. Das alles kam uns sehr seltsam vor. Unser Storchenmännchen duldete den Fremdstorch.
Kontrollen am Abend und frühen Morgen ergaben jedoch, dass jeweils nur unser Storchenmännchen anzutreffen war und kein weiterer Storch.
Dann sollte es anders kommen. Am 25.02.19 saß vormittags der unberingte Storch auf einem Baum rechts vom Storchenhorst. Unser Storchenmännchen stand zunächst im Nest und legte sich dann hin, genoss die Sonne und würdigte den Fremdstorch keines Blickes, aber dieser wurde auch nicht mehr vertrieben. Das konnte nur bedeuten, dass es sich bei dem Fremdstorch um ein Weibchen handeln würde, das nicht locker ließ, um unser Männchen zu erobern.
Und so war es auch dann. Am späten Nachmittag des 27.02.19 wurden wir Zeugen, wie die beiden miteinander kopulierten und seitdem sind die beiden nun ein Paar. Wir sind gespannt, ob das alte Weibchen eventuell doch noch auftauchen und wie es dann weiter gehen wird.

Von dem Funkmast an der Bahnlinie in Büdesheim ist zu berichten, dass das Storchennest auf dem Funkmast von der Deutschen Bahn Netz AG im Einvernehmen mit der Unteren Naturschutzbehörde, Gelnhausen, geräumt wurde.
Es ist verständlich, dass ein Nest geräumt werden muss, denn die Sicherheit im Funkverkehr geht vor.
Zur Errichtung eines zunächst geplanten Ersatzbrutmastes kam es nicht, da die Errichtung desselben an einem geeigneten Platz, knapp innerhalb des Naturschutzgebietes Bornwiesen, von der Oberen Naturschutzbehörde (Regierungspräsident Darmstadt) abgelehnt wurde mit der Begründung, dass auch andere Arten der Tiergruppen Amphibien, Reptilien und Heuschrecken, die (angeblich) einen wesentlichen Anteil der Nahrung eines Weißstorches darstellen, ebenfalls zu schützen sind.
Beobachtungen unsererseits ergaben bisher, dass sich der Weißstorch hauptsächlich von Würmern, Schnecken und Mäusen ernährt, wobei natürlich nicht auszuschließen ist, dass ein Storch sich auch mal eines der zitierten Arten einverleibt.
Zur Diskussion für den Ersatzbrutmast stand auch noch ein Stück Land der Gemeinde Schöneck unweit vom Bahnmast entfernt. Allerdings lehnte die Gemeinde Schöneck ebenfalls die Errichtung eines Mastes auf diesem Land ab mit der Begründung, es gäbe inzwischen einen stabilen Bestand an Storchenbrutpaaren in der hiesigen Region, eine ausreichende Menge an Storchenplattformen, so dass eine weitere Ansiedlung nicht mehr wünschenswert ist.
Die Deutsche Bahn Netz AG brachte mehrfach Abwehrmechanismen auf dem Funkmast an, um den Bau eines Storchennestes zu verhindern. Zunächst umflog auch das Storchenmännchen immer wieder den Funkmast und sah keine Chance, dort zu landen. Aber es gelang ihm dennoch nach mehreren Tagen und legte die ersten Äste am 23.02.19 auf dem Funkmast ab. Weitere Äste folgten, aber sie wurden von der Deutschen Bahn Netz AG wieder entfernt. Mehrfach wurden die Abwehrmechanismen aufgerüstet und zusätzlich noch mit einer Greifvogelabwehrkugel versehen.
All diese Mechanismen scheinen nicht zu greifen, denn sie halten das Männchen nicht davon ab, einen neuen Bauversuch zu wagen.
So flog der Storch am 02.03.19 vom frühen Morgen bis zum späten Nachmittag unentwegt hinauf zum Funkmast, um ein neues Nest zu bauen. Es gelang ihm, die mit roten Kappen versehenen Enden der Stäbe umzubiegen, um sich den nötigen Platz für sein Bauvorhaben zu sichern.
Das letzte Foto zeigt den Stand vom 03.03.19, ein quasi fast fertiges Nest.
Die Anwohner rund um den Funkmast in Büdesheim verfolgen dieses Geschehen seit Tagen schon mit großem Interesse und fragen alle, warum man diesem Storchenpaar keinen neuen Brutplatz zur Verfügung stellt. Etliche sind inzwischen schon bereit, den eigenen Garten dafür zur Verfügung zu stellen.

Edit 04.03.19: Das Nest auf dem Funkmast der Deutschen Bahn an der Bahnlinie bei Büdesheim darf laut heutiger Zusage der Bahn für diese Brutsaison bleiben. Die Störche dürfen weiter bauen und erneut brüten. Über diese Zusage haben wir uns natürlich sehr gefreut.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.